Dem Großteil der österreichischen Tourismusbetriebe ist es trotz des schwierigen Marktumfelds während der letzten Jahre gelungen, für die wirtschaftliche Resilienz relevante Betriebskennzahlen sukzessive und tendenziell zu verbessern.
Die OeHT-Tochter Tourism Investment Services analysierte im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft, Energie und Tourismus die wirtschaftliche Resilienz von Klein- und Mittelunternehmen in der österreichischen Tourismuslandschaft. Dabei fokussierte sie auf Betriebe, die von der OeHT im Rahmen der gewerblichen Tourismusförderung des Bundes gefördert wurden. Die wirtschaftliche Resilienz einer Branche und ihrer Unternehmen ist eine wesentliche Voraussetzung, um Krisensituationen und Umfeldveränderungen besser entgegentreten zu können. Ziel der Studie war es, einen Blick auf die Entwicklung und den Status Quo der wirtschaftlichen Resilienz der Klein- und Mittelbetriebe im österreichischen Tourismus zu werfen.
Die Ergebnisse zeigen, dass es dem Großteil der österreichischen Tourismusbetriebe trotz des schwierigen Marktumfelds während der letzten Jahre aufgrund der COVID-19 Pandemie, des vorsichtigen Konsumverhaltens, des steigenden Kostendrucks und geopolitischer Verwerfungen gelungen ist, für die wirtschaftliche Resilienz relevante Betriebskennzahlen sukzessive und tendenziell zu verbessern.
In allen Segmenten konnten im Beobachtungszeitraum teils deutliche Umsatzzuwächse verzeichnet werden. Inflationsbereinigt waren die Steigerungsraten zwar moderat – die 4* Kategorie war sogar mit einem geringen realen Umsatzrückgang konfrontiert – dennoch ist es durch die Umsatzzuwächse gelungen, die gestiegenen operativen Kosten so weit zu kompensieren, dass die operativen Ergebnisse vor Zinsen (GOP) im Median weiter verbessert werden konnten und derzeit zwischen 22,1 % (3*/3*S Kategorie) und 23,6 % (4*S/5* Kategorie) liegen. Die Entwicklung in den wesentlichsten Kostenpositionen „Wareneinsatz“, „Mitarbeiteraufwand“ und „Energie“ bremst die Ertragskraft der Betriebe und übt spürbar Druck auf die Gewinnchancen der Hotellerie aus. Steigerungspotenziale ortet die Analyse bei einer höheren Preisdurchsetzung, um dem internationalen Vergleich standhalten zu können und bei der Auslastung, steht doch das durchschnittliche Hotel in Österreich derzeit etwa die Hälfte des Jahres leer. Den eigentlichen Liquiditätsdruck auf die teils hoch verschuldeten Betriebe, die durch ihr hohes Anlagevermögen auf risikotragende Fremdfinanzierung angewiesen sind, verursachen die stark gestiegenen Zinsen. Am Beginn des Beobachtungszeitraum lag die durchschnittliche Verzinsung bei rd. 2,800 % p.a., im Jahr 2019 und damit vor Beginn der negativen Zinsentwicklung bei etwa 2,430 % p.a. Im Wirtschaftsjahr 2024 mussten die Betriebe durchschnittlich rd. 4,870 % p.a. an Zinsen für die langfristigen Finanzierungen aufbringen, was sich besonders in der Liquidität der 4* Betriebe bemerkbar macht.
Erfreulich ist die Tatsache, dass es in den letzten zehn Jahren ebenfalls gelungen ist, wesentliche bilanzielle Kennzahlen wie die Eigenkapitalquote – die zwar im Vergleich mit anderen Branchen nach wie vor niedrig ist – sukzessive zu verbessern oder die Entschuldungsdauer bei rd. 75 % der Unternehmen zum Teil deutlich unter der URG-Grenze von 15 Jahren zu halten. Gerade im Hinblick auf die nach wie vor starke Abhängigkeit der Branche von der klassischen Fremdfinanzierung ist die Entwicklung dieser Kennzahlen positiv zu werten. Hauptgrund für Unternehmenskrisen im Beobachtungszeitraum waren klassische Managementfehler wie operative und strategische Fehlentscheidungen sowie mangelndes Controlling und fehlende Kostenkontrolle.
Dennoch zeigt sich der österreichische Tourismus auf Basis der wesentlichen betrieblichen Kennzahlen über die letzten zehn Jahre verstärkt krisenresistent. Die Herausforderungen für die Betriebe werden allerdings nicht weniger und erfordern, sowohl auf betrieblicher als auch politischer Ebene, stete Bemühungen, diesen gerecht zu werden, gemeinsam praktikable Lösungen für die österreichische Tourismuswirtschaft zu finden und damit die wirtschaftliche Resilienz der Tourismusbranche zu sichern.
Der vollständige Bericht zur Entwicklung der wirtschaftlichen Resilienz von österreichischen Tourismusbetrieben im Zeitraum 2015 – 2024 steht auf der Website des BMWET zum Download zur Verfügung: