Das Tourismusjahr 2020 im ÖHT Fokus

Die Bedeutung des Tourismus im neuen Regierungsprogramm

 „Auch die neue Bundesregierung unterstreicht in ihrem Regierungsprogramm ganz klar die Bedeutung des österreichischen Tourismus und hebt die Rolle der ÖHT, der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank, besonders hervor“ freut sich KommR Mag. Wolfgang Kleemann, Generaldirektor der ÖHT. „Die Regierung bekennt sich zur weiteren Unterstützung der familiengeführten Tourismus- und Freizeitwirtschaft durch die gewerbliche Tourismusförderung der ÖHT und gibt uns mit Bundeshaftungen und eigenkapitalnahen Finanzierungsinstrumenten zusätzliche Werkzeuge“ so Kleemann weiterführend.  Schon im Plan T, der auch im neuen Regierungsprogramm die Leitlinien für die künftige Tourismusstrategie legt, ist die ÖHT prominent eingebunden.

„Die weitere Stärkung der ÖHT ist sowohl im Plan T als auch jetzt im Regierungsprogramm ausdrücklich verankert und setzt ein klares Bekenntnis für eine weiterhin eigenständige Tourismus-Förderpolitik, in der verstanden ist, dass mit klar definierten Investitionsschwerpunkten Anreize zur Erreichung wirtschafts- und branchenpolitischer Ziele gesetzt werden müssen“ zeigt sich Kleemann überzeugt.

Ein nachhaltiger Ausblick

Österreich ist ein Tourismusland, daran besteht wahrlich kein Zweifel. Die jährlichen Jubelmeldungen wurden längst zur Gewohnheit und sind Beleg für das qualitativ hochwertige und vielfältige Dienstleistungsangebot der heimischen Tourismus- und Freizeitwirtschaft. Kontinuierliche Nächtigungszuwächse in den vergangenen 10 Jahren, Hunderttausende gesicherte und neu geschaffene Arbeitsplätze, das Nächtigungshoch mit 149,8 Millionen Nächtigungen im Jahr 2018 oder ein positives  Nächtigungsergebnis mit 78,9 Millionen Übernachtungen und 25,6 Millionen Ankünfte in der Sommersaison 2019 unterstreichen die enorme Bedeutung des Tourismus in Österreich. Rechtzeitig zu Beginn des neuen Jahres 2020 blickt die ÖHT in die Zukunft und skizziert die zentralen Branchenthemen des kommenden Tourismusjahres.

Saisonverlängerung im Trend

Durch die Saisonverlängerung können Auslastungsverbesserungen in den betrieblichen Nebensaisonzeiten erzielt werden.  Der Oktober 2019 als Abschluss der Sommersaison erzielte ein Nächtigungsplus von +5,3% gegenüber dem Vorjahr. Mit 8,5 Mio. Übernachtungen zeigt dieser Wert die steigende Bedeutung der Nebensaisonen und der Saisonverlängerung. Aufgrund der vielseitigen Gästeanforderungen und der zielgruppenspezifischen Angebotsgestaltung ist in Sachen Saisonverlängerung nicht nur der Beherbergungssektor sondern vielmehr die gesamte Tourismus- und Freizeitwirtschaft mit allen Leistungsanbietern gefordert, attraktive Dienstleistungsangebote für Urlaubsgäste in den Neben- und Zwischensaisonen zu schnüren. Gerade in diesem Zusammenhang spielen regionale Kooperationsnetzwerke von verschiedensten touristischen Leistungsanbietern eine wichtige Rolle. Die nachhaltige Nächtigungssteigerung in den von Betrieb zu Betrieb unterschiedlichen und von regionalspezifischen Gegebenheiten abhängigen Nebensaisonen, hat neben der Saisonverlängerung ebenso positive Auswirkungen auf die Wertschöpfungssteigerung innerhalb der Tourismusregionen und führt zudem zur Schaffung von zusätzlichen Vollzeitarbeitsplätzen. „Einer unserer nächsten Förderschwerpunkte wird genau an diesem Thema – der Saisonverlängerung – ansetzen. Hier gibt es ein extrem breites Spielfeld von wetterunabhängigen Indoor-Freizeiteinrichtungen im Winter oder Outdoor-Freizeiteinrichtungen außerhalb der Sommermonate bis hin zu diversen Fahrrad- oder Mountainbike-Angeboten im Frühjahr oder Herbst“, unterstreicht Kleemann die Wichtigkeit der Saisonverlängerung für die gesamte Tourismusbranche.

Der Klimawandel als Chance für nachhaltigen Tourismus

Klima- und Umweltschutz ist momentan wohl das gesellschaftspolitisch am stärksten diskutierte Thema und zugleich die zentrale Herausforderung für Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. Gerade im Tourismus spielt das Thema Nachhaltigkeit eine große und wichtige Rolle. Die neuen Förderrichtlinien ab 2021 werden genau an diesem Punkt ansetzen. Der Förderung von kreativen und zugleich notwendigen Konzepten und Maßnahmen zum klima- und energieschonenden Umgang im Tourismus. Ein entscheidender Erfolgsfaktor ist dabei immer, wenn diese Maßnahmen sowohl für Gäste als auch für Einwohner konzipiert werden. Diskussionen mit Experten, Unternehmerinnen und Unternehmern und Branchenvertretern zeigen dabei deutlich, dass vor allem der Tourismus erkannt hat, dass ein sorgfältigerer Umgang mit unseren Ressourcen mehr als notwendig ist.

„In Summe müssen wir uns auf die geänderten Bedingungen einstellen und unsere Hotelangebote, vor allem aber auch die touristische Infrastruktur, noch witterungsunabhängiger machen und nachhaltiger gestalten. Klimaschutz geht uns alle an, vom Hüttenwirt über den Hotelier bis hin zu Bergbahnen und Seilbahnunternehmen“, fasst Kleemann die zukünftigen Kernaufgaben der heimischen Tourismus- und Freizeitbetriebe in Bezug auf den Klimawandel zusammen.

Mitarbeiterkosten in Mitarbeiter Infrastruktur im Branchenfokus

Bezogen auf den österreichischen Arbeitsmarkt fungiert der Tourismus als wesentlicher Arbeitgeber. Jeder fünfte Vollzeitarbeitsplatz in Österreich wird durch die Tourismus- und Freizeitwirtschaft gesichert. Steigende Mitarbeiterkosten und der Fachkräftemangel setzen den heimischen Unternehmerinnen und Unternehmern aber zunehmend zu und erschweren die Situation in der Branche. Gerade im Tourismus sind qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedeutender Bestandteil für den Erfolg eines Unternehmens. Durch das vielfältige Förderportfolio der ÖHT wird Unternehmen die Möglichkeit geboten, die Schaffung attraktiverer Arbeits- und Lebensbedingungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor dem Hintergrund herrschender Personalengpässe in der Branche zu forcieren, um in weiterer Folge die Mitarbeiterakquisition aber auch die Mitarbeiterbindung an Betriebe und Regionen zu verbessern. Bundes- und landesseitige Förderschwerpunktinitiativen in Oberösterreich und der Steiermark zum Thema Mitarbeiter-Infrastruktur und zur Förderung von Maßnahmen die der Vereinbarkeit von Familie und Beruf dienen sollen langfristig dazu führen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter langfristig für den Tourismus zu begeistern und die Arbeits- und Lebensbedingungen anzuheben.

Aktuelle Studien der ÖHT zeigen, dass das operative Betriebsergebnis (GOP) unserer heimischen Beherbergungsbetriebe im 10-Jahresvergleich unter Berücksichtigung der jährlichen Inflation nicht in gleicher Relation wachsen konnte wie die operativen Umsätze. Vor allem die von der ÖHT finanzierten 3*-Hotelbetriebe entwickelten sich gerade bei dieser Kennzahl, dem GOP, im Beobachtungszeitraum von zehn Jahren zwar hervorragend weiter, dennoch gilt, generell und kategorieübergreifend: Der GOP bleibt unter Druck. Ein wesentlicher Grund sind dabei die laufenden Betriebskosten, allen voran die steigenden Aufwendungen für Mitarbeitereinsatz und –aufwand. Während die Betriebsgröße in allen Kategorien über die letzten zehn Jahren teilweise nur geringfügig ausgeweitet wurde, werden tendenziell mehr Mitarbeiter zu höheren Mitarbeiterkosten eingesetzt.

Förderung als tourismuspolitisches Steuerungselement – Hot-topic „overtourism“

Die Begriffe „overtourism“ oder „unbalanced tourism“ sind in aller Munde. Die Gründe für Massentourismus und Maßnahmen bzw. Lösungsansätze zum Umgang mit dieser, global auftretenden Tourismusform, werden in der Fachliteratur und Medien momentan breit diskutiert. Ein Lösungsansatz zur Reduzierung und Steuerung von Massentourismus sind zweifelsohne unterschiedliche, auf die Bedürfnisse der jeweiligen Zielgruppe fokussierte, touristische Leistungsangebote. Experten sind sich einig, dass Touristenströme durch individuelle und  zielgruppenspezifische Angebotsgestaltung oder durch Demarketing, die Einschränkung und von Werbemitteln bei zielgruppenspezifischen Marketingaktivitäten, gelenkt bzw. gesteuert werden können. Die ÖHT bietet durch ihr umfangreiches Portfolio an Fördermöglichkeiten Unternehmerinnen und Unternehmern der heimischen Tourismus- und Freizeitwirtschaft die Möglichkeit, geförderte Finanzierungsinstrumente zur Realisierung von betrieblichen Projektvorhaben im Zuge der effizienten Vermeidung von Overtourism in Anspruch zu nehmen.

„Der österreichische Tourismus hat sich längst zum Gesamtkunstwerk entwickelt und sich damit selbst die Chance geöffnet, sich vom internationalem  Mitbewerb abheben zu können. Mit einer weiterhin hohen Investitionsbereitschaft – unterstützt mit bewährten und neuen Förderinstrumenten der ÖHT – wird es gelingen, noch mehr Qualität vor Quantität zu stellen. Das gemeinsame Ziel muss es sein, vom schieren Nächtigungswachstum wegzukommen und uns noch mehr auf wertschöpfungsintensive Gästeschichten zu konzentrieren“, blickt Kleemann optimistisch in die Zukunft.